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Themenabend: Alles nur geklaut? Plagiatserkennung durch Software

Das Recht schützt den Urheber oder Schöpfer von Texten, Musik, Computerprogrammen und vielen anderen Arten von Werken davor, dass ein Dritter die oftmals durch erhebliche kreative Anstrengungen geschaffenen Leistungen einfach ohne Erlaubnis kopiert und für eigene Zwecke verwendet.

Datum und Uhrzeit

09.02.2022, 18:00 - 20:00 Uhr
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Beschreibung

Im Einzelfall ist es allerdings nicht immer einfach, kopierte und ggf. sogar leicht umgearbeitete Fragmente fremder Werke zu erkennen. In den letzten Jahren sind in diesem Bereich erhebliche Fortschritte in der softwaregestützten Erkennung von Plagiaten erzielt worden, die auch dazu geführt haben, dass eine Vielzahl von wissenschaftlichen Arbeiten von Prominenten und Politkern als Plagiate entlarvt wurden.

Dieser Themenabend behandelt zunächst die rechtlichen Aspekte und den Plagiatsbegriff in verschiedenen Werksklassen. Dann werden Verfahren zur Erkennung von Plagiaten in wissenschaftlichen Texten und in Musikstücken vorgestellt.

Vortrag 1: Die rechtliche Perspektive – Was ist ein Plagiat?

Der Referent:  Dr. Sascha Vander, LL.M. wurde 2006 als Rechtsanwalt zugelassen und hat sich seit Beginn seiner anwaltlichen Tätigkeit mit IT-rechtlichen Fragen befasst. Er berät schwerpunktmäßig in den Bereichen IT-Projekte, Software- und Lizenzrecht, E-Commerce und Datenschutzrecht sowie zu IT-spezifischen Fragen des allgemeinen Zivil- und Wirtschaftsrechts. Sein Tätigkeitsgebiet umfasst zudem den Bereich des Gewerblichen Rechtsschutzes mit Schwerpunkt Wettbewerbs- und Medienrecht. Dr. Sascha Vander ist Mitglied des Fachausschusses für Informationstechnologierecht des Kölner Anwalt Verein und stellvertretender Leiter des Erfa-Kreises Köln der Gesellschaft für Datenschutz und Datensicherheit e. V. (GDD). Dr. Sacha Vander ist bei CBH Rechtsanwälte in Köln tätig.

Der Vortrag: Es erfolgt eine Querschnittbetrachtung des rechtlich vielschichtigen Themas „Plagiate“ und es wird sich dem im Fokus stehenden urheberrechtlichen Schutz ergänzenden Schutzrechten gewidmet. Dabei wird der Vortrag veranschaulichen, dass die jeweiligen Schutzrechte wie etwa Marken oder der UWG-rechtliche ergänzende Leistungsschutz zum Teil abweichende Beurteilungsansätze für die Fragen nach dem Vorliegen eines „Plagiats“, einer „Kopie“ oder einer „Übernahme“ vorsehen und ebenso abweichende Schutzschranken mit Rechtsfolgen im Verletzungsfall in Rede stehen können. Der Vortrag verfolgt keine Vertiefung einzelner Schutzrechte, sondern legt den Fokus auf eine überblicksartige Gesamtbetrachtung.

Vortrag 2:  Plagiatsentdeckung in älteren Sprachwerken mit Turnitin, Wayback Machine und WCopyfind

Der ReferentStefan Weber (plagiatsgutachten.com, Salzburg) ist Kommunikationswissenschaftler aus Österreich, Habilitation 2005 an der Universität Wien, seit 2007 selbstständiger Plagiatsgutachter, oft als österreichischer „Plagiatsjäger“ bezeichnet. Lehrbeauftragter für gute wissenschaftliche Praxis an der TU Wien und Lehrbeauftragter an der Universität Wien.

Der Vortrag: Anhand eines aktuellen Falls wird gezeigt, wie Plagiatsprüfung mit den derzeit zur Verfügung stehenden Software-Tools funktioniert: Am Beginn steht der Abgleich mit dem (auch vergangenen) Internet und den für die Prüfung freigegebenen bisherigen Uploads in die Plagiatssoftware mithilfe einer State-of-the-art-Lösung wie etwa Turnitin. Von vielen so entdeckten vergangenen Webseiten gibt es nur mehr die URLs, der Content findet sich mit Glück dann noch häufig mittels Wayback Machine. PDF-Files, Word-Files und Hypertext-Dokumente, die so gesichert werden konnten, werden dann im Volltext jeweils mit dem Prüfwerk einzeln verglichen, dies geschieht mit einem sogenannten Diff-Checker wie etwa WCopyfind. Rekonstruktionen dieser Art erlauben neue Einblicke in die Textgenese und das Sichtbarmachen von Regelverstößen, die früher nicht erkannt wurden. Der Vortrag beinhaltet auch einen Ausblick: Software-Anbieter wie Ouriginal arbeiten an einer Lösung zur Entdeckung von Übersetzungsplagiaten. Ein Prototyp, den auch der Vortragende einsetzt, vergleicht zwei Texte miteinander und bestimmt, ob sie vom selben Autor stammen (Stilometrie/authorship Verifikation).

Vortrag 3: Musikalische Plagiate in Deutschland – ein systematischer Überblick

Der Referent: Jonathan Huber studierte Kommunikationswissenschaften und Musikwissenschaften in Augsburg und Hannover. Sein Masterstudium im Fach Medien und Musik an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover schloss er 2020 mit einer Arbeit über musikalische Plagiatsfälle in Deutschland ab. Er ist in der Unternehmenskommunikation der GEMA tätig.

Der Vortrag: Die Idee von musikalischer Originalität reicht weit in die Musikgeschichte zurück. Für musikalische Plagiate liegen jedoch keine objektiven Maßstäbe zur eindeutigen Beurteilung vor. Stattdessen liegt die Entscheidung im Einzelfall bei den Gerichten. Die vorgestellte Forschungsarbeit untersucht deutsche Gerichtsurteile systematisch hinsichtlich musikwissenschaftlicher Faktoren, anhand derer sich Plagiate kategorisieren und beurteilen lassen. Wichtigster Faktor dabei ist die Melodie. Ausgehend von den Ergebnissen soll diskutiert werden, welche Herausforderungen sich durch Möglichkeiten der computergestützten Melodieanalyse im musikalischen Plagiatskontext ergeben.

Vortrag 4: Softwareplagiate

Der Referent: Oliver Stiermerling, Geschäftsführe der Ecambria Systems GMBH, Mitglied des Leitungsgremiums der RG Köln

Der Vortrag: Dieser Vortrag beschäftigt sich mit den Besonderheiten bei vermuteten Softwareplagiaten. Obwohl keine ästhetischen und qualitativen Ansprüche an die Software gestellt werden, muss ein Computerprogramm eine eigene geistige Schöpfung des Erstellers sein, um überhaupt den gesetzlichen Schutz zu genießen. Es stellt sich also die Frage, wie festgestellt werden kann, wessen "eigene geistige Schöpfung" ein Computerprogramm ist. Zudem gibt es die ganz praktische Herausforderung des Nachweises, dass ein nur als Binärcode verkauftes Computerprogramm tatsächlich auf "geklautem" Quellcode basiert.

Moderation:                          Detlef Lippert (Leiter der Regionalgruppe Köln der GI e. V.)
Co-Moderation:                    Dr. Oliver Stiemerling (ecambria systems GmbH)
Co-Mod&Localhost:             PD Dr. Markus Borschbach (FHDW Bergisch Gladbach)

Bitte melden Sie sich bis spätestens am 08.02.2022 hier an. Bitte reichen Sie diese Ankündigung an interessierte Kollegen und Kolleginnen weiter. Die Veranstaltung steht allen Interessierten offen und ist kostenfrei.

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