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Regionalgruppe
Köln
Vortrag

Unsicheres Internet - staatlich verordnet?

Themenabend am 19.03.2014 bei der GESIS

Datum und Uhrzeit

19.03.2014, 18:00 - 21:00 Uhr
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Veranstaltungsort

GESIS
Unter Sachsenhausen 6-8
50667 Köln, Deutschland

Beschreibung

Die Enthüllungen des Jahres 2013 von Snowden et al. haben gezeigt, dass staatliche Stellen mächtige Zugriffsmöglichkeiten auf alle Formen der Kommunikation und Datenspeicherung im Internet haben und diese auch weitreichend nutzen. Die Sicherheit des Internets basierte bisher auf dem grundsätzlichen Vertrauen in zentrale kryptografische Trust-Center, Standardisierungsgremien und die Möglichkeit von Organisationen, sich gegen staatliche Zugriffe zu schützen. Dieses Vertrauen ist 2013 in jedem einzelnen Punkt grundlegend und nachhaltig zerstört worden, da staatliche Zugriffe direkt an diesen Stellen ansetzen, insbesondere um bisher oft sichergeglaubte kryptografische Verfahren auszuhebeln. Gleichzeitig verpflichtet der Staat seine Bürger und Firmen zu Datenschutz und Sicherheit bei der Nutzung der nun durch den Staat selbst unsicher gemachten Technologien.

Der Themenabend soll ausgehend von den technischen Schutzmöglichkeiten (insbesondere durch Verschlüsselung) die vielfältigen weiteren Dimensionen, wie die Rolle von Vertrauen in zentrale Stellen, aber auch rechtliche und  politische Aspekte aufzeigen.

Vortrag 1:

Technische Perspektive am Beispiel „Cryptoparties – chiffrieren für alle“

Jürgen Fricke, procube Systementwicklung

Alle haben etwas zu verbergen. Darum erfreut uns ein blickdichter Briefumschlag. Digitale Briefumschläge bieten Sicherheit für eine würdevolle und „lauschfreie“ Kommunikation. Damit haben Sie in der Hand wer ein Leserecht bekommt. Welche Möglichkeiten zur digitalen Selbstverteidigung gibt es? Was ist technisch machbar? Wo liegen die Grenzen? Wie können wir unter Achtung der Privatsphäre im Netz unsere Kommunikation chiffrieren?

Der Referent: Mit der Cryptoparty DIY Reihe vermitteln Jürgen Fricke und ehrenamtliche Helfer seit 15 Monaten Praxiswissen an interessierte Bürger im Raum Köln/Bonn. Dabei stößt die Veranstaltungsreihe Cryptoparty auf reges Interesse, aber auch an die Grenzen laientauglicher Wissensvermittlung.
Die Cryptoparty DIY will und kann keine Fachvortragsreihe sein.
Fricke durchbricht humorvoll die üblichen Folien- bzw. Skript-geführten Standards wie wir sie von Weiterbildungs-Instituten her kennen.

„Eine Crypto-Party ist kein Volkshochschulkurs” - FAZ

Vortrag 2:

"Die Grenzen technischer Schutzmöglichkeiten"

Dr. Oliver Stiemerling, IT-Gutachter, Köln

Während die eigentlichen technischen Verschlüsselungsalgorithmen heute intensiv durch die Wissenschaft untersucht und verbessert werden, sind die organisatorischen Maßnahmen rund um ihren Einsatz oft ein deutlicher Schwachpunkt. Insbesondere basieren die meisten Verfahren auf dem Vertrauen in zentrale Stellen und Herstellerfirmen. Dieser Vortrag zeigt die Ansatzpunkte für nicht-technische Angriffe und die resultierenden Herausforderungen für die rechtliche Betrachtung auf.

Der Referent: Dr. Oliver Stiemerling ist Geschäftsführer der ecambria systems GmbH und von der IHK Köln öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Systeme und Anwendungen der Informationsverarbeitung. Er arbeitet als Gutachter, Schlichter und Berater für Gerichte, Unternehmen und Anwälte. Ein Interessenschwerpunkt ist die IT-Sicherheit, insbesondere kryptografische Verfahren.

Vortrag 3:

Rechtliche Perspektive: „Spagat zwischen Vertrauen und Sicherheit – das Wissen staatlicher Stellen"

Dr. Daniel Neuhöfer, LL.M., Rechtsanwalt, Redeker Sellner Dahs, Bonn

Nicht nur für die US-amerikanische NSA, sondern auch für nationale Behörden bieten digitale Datenspeicher ein beachtliches Informationspotential. Der Vortrag wird die rechtlichen Hintergründe staatlicher Überwachung in internationalem und nationalem Kontext beleuchten. Wer kann unter welchen Voraussetzungen auf Daten von Unternehmen und Privatpersonen zugreifen? Wie können durch geheime Überwachungsmaßnahmen gewonnene Informationen in Strafverfahren verwendet werden?

Der Referent: Dr. Daniel Neuhöfer ist als Rechtsanwalt im Bonner Büro der Sozietät Redeker Sellner Dahs in den Bereichen des Wirtschaftsstrafrechts und Datenschutzrechts tätig. Er promovierte an der Universität zu Köln zu einem IT-rechtlichen Thema und veröffentlicht regelmäßig Fachbeiträge zum Straf- und Datenschutzrecht.

Moderation: Detlef Lippert

Organisator

RG Köln

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